Rechtsanwalt Iman Niazi und Rechtsanwalt Tobias Köhler haben es ausprobiert und das Programm als Mentees erlebt. In diesem Beitrag berichten sie, welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben und wie sie das Mentorenprogramm fachlich, persönlich und menschlich weitergebracht hat.
„Ich hatte nicht nur eine Mentorin, sondern gleich mehrere“
Rechtsanwalt Iman Niazi, heute bei HSF - Hartmann Fuchs + Partner in Stuttgart tätig, kam bereits im Referendariat mit dem Baurecht in Kontakt. Nach dem Examen lief es dann wie von selbst: „Ich habe über legalhead.de eine Anfrage bekommen, wir haben uns getroffen, verstanden – und ich war an Bord. Ich habe nicht eine einzige Bewerbung geschrieben.“ (lacht) Dass er am Mentorenprogramm teilnahm, war naheliegend.
„In meiner Kanzlei sind einige Mitglied in der ARGE Baurecht. Da war der Weg zur arge-baurecht.com kurz.“ Dort stieß er auf das Angebot für junge Anwält:innen und meldete sich an.
Sein Mentor, oder besser: seine Mentorinnen? „Ich hatte Glück bei der Auslosung der Mentoren-Mentee-Paar und landete bei Rechtsanwältin Nadine Gebauer aus der Kanzlei Boergers, die gleich mit mehreren Kolleg:innen da war. Ich wurde rundum betreut – das war wirklich klasse. Außerdem habe ich mit Nadine immer noch Kontak“
Themen, die im Studium nicht vorkommen
Was ihn besonders begeistert hat? „Netzwerken! Das war mir als Berufsanfänger besonders wichtig – und das habe ich vollumfänglich bekommen.“ Dazu kamen Einblicke, die man an der Uni vergeblich sucht: Wie laufen Mandantengespräche ab? Was kann man vereinbaren, was nicht? Wo entwickelt sich der Markt hin? “Die Kolleg:innen vor Ort haben mir wichtige Insights gegeben, die mir im anwaltlichen Alltag immer noch helfen”.
Neben den Inhalten ist Niazi vor allem der Geist des Programms in Erinnerung geblieben. „Ich habe den Zusammenhalt sehr genossen. Den gleichberechtigten Austausch. Es war schön zu sehen, dass auch Kolleg:innen mit 20 Jahren Berufserfahrung an manchen technischen Details zu knabbern haben. Das verbindet.“
Heute ist er Mitglied der ARGE Baurecht. Warum? „Weil das Mentorenprogramm überzeugt hat und weil ich das Gefühl habe: Hier steht nicht das Ego im Mittelpunkt, sondern der Austausch auf Augenhöhe. Das ist nicht selbstverständlich.“
Lust auf Baurecht!
Tobias Köhler startete zunächst im Arbeitsrecht, stellte sich aber bald die Frage: „Will ich mich mein Leben lang mit Kündigungen beschäftigen, auf die eine oder andere Weise?“ Zum Glück lautet seine Antwort „Nein!“.
Im Referendariat stieg er am Kölner Standort von Leinemann und Partner im Baurecht ein – und blieb. „Schon vor der Bekanntgabe meiner Note im zweiten Examen hatte ich meinen Vertrag unterschrieben. Denn mir war schnell klar: Ich habe Lust auf Baurecht.“
Als er vom Mentorenprogramm hörte, war er sofort interessiert. „Hier hat man die Möglichkeit, einfach mal kostenfrei und unverbindlich in die ARGE hineinzuschnuppern – das ist ein super Angebot. Und ich dachte mir: Probier es halt mal aus!“
Mentoring, das trägt – auch über die Tagung hinaus
Seine erste Baurechtstagung als Mentee erlebte Köhler als „ziemlich unkompliziert“, da „man schnell ins Gespräch kam“. Bei der obligatorischen Auslosung der Mentee-Mentoren-Paare wurde er Rechtsanwältin Carolin Klüpfel (Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der ARGE Baurecht, Anmerk. d. Red.) zugelost, was er als Glücksfall beschreibt: „Das war ein weiterer sehr unkomplizierter Kontakt. Ich habe mich totalabgeholt gefühlt und meine Mentorin hat mich mit der Baurechts-Familie vernetzt.“
Mentee und Mentorin gingen gleich in den fachlichen Austausch, etwa zum Thema IPA – Integrierte Projektabwicklung. „Ein Thema, das ich vorher nur am Rande mitbekommen hatte, das mich aber sehr interessierte. Und im Handumdrehen verstand ich, worum es geht.“
Doch noch wichtiger war für ihn etwas anderes: „Ich hatte Respekt davor, mit den arrivierten Kolleg:innen ins Gespräch zu kommen. Bei so einer Tagung hat man schnell das Gefühl, die kennen sich alle und man selber steht davor und weiß gar nicht, wo und mit wem man anknüpfen soll. Das Mentoring hat mir geholfen, diese Hürde zu überwinden.
Ein Netzwerk, das bleibt
Was bleibt also von der Erfahrung? Köhler bringt es auf den Punkt: „Ich habe das Gefühl, ich bin in der Baurechts-Bubble angekommen.“ Auch er ist inzwischen Mitglied der ARGE Baurecht und engagiert sich überdies ehrenamtlich als Teil der Arbeitsgruppe junge Baurechtler:innen.
„Ich habe bisher mit niemandem geredet, den ich nicht nett fand.“ (lacht) Und weiter: „Warum sollte ich meine Fachanwaltsstunden online sammeln, wenn ich zwei Mal im Jahr zu einer Tagung gehen kann, hochwertige fachliche Inhalt serviert bekomme und mich dann auch noch beim Bierchen mit Kolleg:innen austauschen und fachsimpeln kann?“
Was haben Mentoren davon?
Die beiden Ex-Mentees sind überzeugt: Auch die Mentoren profitieren. Köhler betont: „Da ist zum einen der altruistische Aspekt: Privates Baurecht findet an der Uni praktisch nicht statt und die Baurechtszene muss selbst für Nachwuchs sorgen.“
Köhler sieht aber auch strategisches Potenzial: „Das ist Recruiting auf Augenhöhe. Wenn man sich gut versteht, ist es vielleicht der Anfang einer künftigen Zusammenarbeit.“ Niazi ergänzt: „Man kommt mit dem juristischen Nachwuchs ins Gespräch – aber eben nicht in einer Bewerbungssituation, in der sich jeder ein bisschen verstellt“, sagt Niazi. Und das zu vergleichsweise geringen Kosten: Die Teilnahme für Kanzleien als Mentoren kostet 360 Euro. „Das ist ein Bruchteil einer klassischen Stellenanzeige“, so Niazi.
Mentoring, das ankommt
Das Mentorenprogramm der ARGE Baurecht schafft, was viele Initiativen versprechen: Es bringt Generationen zusammen, fördert echte Gespräche und lässt den Funken für das Baurecht überspringen. Wer mitmacht, gewinnt nicht nur Einblicke ins Baurecht, sondern wird Teil einer starken Gemeinschaft.
Rechtsanwalt Tobias Köhler
- Mitglieder der ARGE Baurecht im Deutschen Anwaltsverein
- Mitglied der Arbeitsgruppe junge Baurechtler:innen