Führungswechsel bei der ARGE Baurecht: Neue Führung, bewährte Werte

Die ARGE Baurecht hat gewählt. Am 15. November 2025 bestimmte die Mitgliederversammlung im Anschluss an die 66. Baurechtstagung in Hamburg eine neue Führung für Europas größte Vereinigung baurechtlich spezialisierter Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Die Botschaft ist klar: Kontinuität trifft auf frische Impulse.

Dr. Oliver Koos übernimmt den Vorsitz

Rechtsanwalt Dr. Oliver Koos (GSK Stockmann, Frankfurt a.M.) führt die ARGE Baurecht künftig als Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses. Seine Vision verbindet Bewährtes mit Zukunft. „Die ARGE Baurecht bleibt die erste Adresse für die Fortbildung baurechtlich spezialisierter Anwältinnen und Anwälte“, betont Koos. Gleichzeitig setzt er neue Akzente: Er will digitale und analoge Kommunikationswege stärker vernetzen, die LinkedIn-Präsenz ausbauen und den Austausch mit Nachwuchsjuristen intensivieren.

Koos kennt die Strukturen. Er bringt langjährige Expertise aus der anwaltlichen Praxis mit und versteht die Bedürfnisse einer modernen Fachvereinigung. Seine Priorität liegt auf Erhalt und Neugewinnung von Mitgliedern, auch und gerade vor dem Hintergrund einer gegenläufigen Demografie. Dabei spielt die Nachwuchsförderung eine zentrale Rolle. Folgerichtig will der neue Vorsitzende den Austausch zwischen den Generationen intensivieren und beispielsweise das bestehende Mentoring-Programm, das junge Juristen mit erfahrenen Baurechtlern zusammenbringt, verstetigen.

 

Carolin J. Klüpfel als stellvertretende Vorsitzende

An seiner Seite wirkt Rechtsanwältin Carolin J. Klüpfel (ZENK Rechtsanwälte, Hamburg) als neue stellvertretende Vorsitzende. Klüpfel ergänzt die Führung mit ihrer norddeutschen Mentalität – trocken, humorvoll, auf den Punkt –  und ihrer praktischen Erfahrung aus der Sozietätsarbeit. Sie steht für eine unkomplizierte, lösungsorientierte Herangehensweise und für einen frischen, unverstellten Blick, sowohl auf baurechtliche Fragestellungen als auch auf die „Funktionsweise“ einer ARGE Baurecht. Im GfA wird sie unter anderem den Austausch mit der Arbeitsgruppe junge Baurechtler:innen im Blick behalten.

Dr. Julia-Carolina Holz verstärkt den Ausschuss

Neu im Geschäftsführenden Ausschuss ist Rechtsanwältin Dr. Julia-Carolina Holz (Goldbeck), die eine wertvolle Perspektive mitbringt: Sie ist auf Unternehmensseite aktiv und kennt die baurechtliche Praxis aus dem täglichen Projektgeschäft. Diese Innensicht bereichert die Arbeit der ARGE Baurecht, die traditionell stark von Sozietätsanwälten geprägt ist. Dr. Holz versteht, welche rechtlichen Herausforderungen Bauunternehmen im Alltag bewegen und wie praxistaugliche Lösungen aussehen müssen.


Drei Fragen an den neuen Vorsitzenden:

Herr Dr. Koos, was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die ARGE Baurecht in den nächsten Jahren? 

Die demografische Entwicklung macht auch vor unserer Arbeitsgemeinschaft nicht halt. Obwohl viele erfahrene Kolleg:innen in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, ist es unser erklärtes Ziel, die Mitgliederzahl stabil zu halten.  

Gleichzeitig wollen wir in Sachen Fortbildung und Netzwerken weiterhin ganz vorne mitspielen. Das gelingt uns nur, wenn wir kontinuierlich auf höchstem Niveau liefern und uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen.  

Und dann ist da noch das Thema Künstliche Intelligenz. Sie verändert unsere Arbeit grundlegend. Wir müssen klären, wie wir damit umgehen und was das für die Baurechtsberatung bedeutet. 
 

Wie wollen Sie diesen Herausforderungen begegnen? 

Ich setze auf drei Säulen. Erstens arbeiten wir eng mit dem Arbeitskreis junger Baurechtsanwälte (LINK) zusammen und schaffen Angebote für den Nachwuchs, wie etwa unser Mentoring-Programm. Wir schaffen Mehrwerte für junge Juristinnen und Juristen – etwa Kontakte in die arrivierte Baurechtsszene oder zur Richterschaft – die sie kaum woanders finden.  

Zweitens führen wir unsere bewährten Veranstaltungen fort, halten sie aber topaktuell, auch in den Formaten. Unsere Mitglieder bekommen anspruchsvolle und praxisnahe Inhalte, die sie direkt für die Kanzleiarbeit in Wert setzen können. Dies in Kombination mit noch mehr Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen und voneinander zu lernen.  

Drittens wollen wir anhand konkreter Beispiele und praktischer Lösungen aufzeigen, wie sich KI konstruktiv in der baurechtlichen Beratung nutzen lässt.  
 

Was muss passieren, damit Sie in fünf Jahren sagen können "Das war richtig gut"? 

Ich stelle mir vier Dinge vor. Unsere Tagungen sind weiterhin ausgebucht, weil wir die brennenden baurechtlichen Themen aufgreifen. Die ARGE Baurecht hat deutlich mehr junge Gesichter, und diese tauschen sich intensiv mit den erfahrenen Kollegen aus. Viele ehemalige Mentees aus dem Mentoring-Programm treffen wir als Mitglieder auf unseren Tagungen wieder. Und der Austausch zwischen Mitgliedern und Vorstand läuft offen und intensiv. Wenn das gelingt, dann haben wir gemeinsam viel erreicht. 


 

Dr. Birgit Franz: Eine Ära geht zu Ende

Nach 14 Jahren im Geschäftsführenden Ausschuss, davon vier Jahre als Vorsitzende, trat Rechtsanwältin Dr. Birgit Franz nicht erneut zur Wahl an. Sie hinterlässt deutliche Spuren.

Fachlich hat Dr. Franz die ARGE Baurecht geprägt. Unter ihrer Mitwirkung entwickelte sich die Arbeitsgemeinschaft konsequent weiter, sodass die Vereinigung heute zu den führenden Fortbildungsorganen für das private Bau- und Architektenrecht gehört. Dreh- und Angelpunkt sind die zweimal im Jahr stattfindenden Baurechtstagungen sowie weitere Fortbildungsformate wie etwa die Baurecht-Insights, eine Online-Reihe mit VorsRiOLG Dr. Tobias Rodemann. Dr. Franz trieb diese Entwicklungen aktiv voran und sorgte dafür, dass die ARGE Baurecht als Impulsgeber für rechtspolitische Diskussionen im Bauwesen wahrgenommen wird.

Den Nachwuchs immer im Blick

Menschlich stand der Nachwuchs im Zentrum ihres Wirkens. Franz erkannte früh, dass eine lebendige Fachvereinigung junge Talente braucht. In Ihre Amtszeit fällt die Schaffung des Förderpreises „Summa cum Bau“, der seit 2017 herausragende wissenschaftliche Arbeiten in baurechtlichen Studiengängen auszeichnet. Das Mentoring-Programm, das heute fester Bestandteil der ARGE-Arbeit ist, entwickelte sie aktiv mit. Dr. Franz öffnete Türen für Berufseinsteiger und schuf Plattformen für den Austausch zwischen den Generationen.

Kolleginnen und Kollegen schätzen an Dr. Franz ihre zugängliche Art und ihre Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. Sie verstand es, fachliche Exzellenz mit persönlicher Wertschätzung zu verbinden. Ihre Überzeugung: Eine starke Community entsteht dort, wo erfahrene Praktiker:innen ihr Wissen teilen und jungen Jurist:innen Räume zur Entfaltung geben.

Kontinuität mit neuen Impulsen

Die neue Führung macht da weiter, wo Dr. Franz aufgehört hat. Die ARGE Baurecht mit ihren über 2 000 Mitgliedern bleibt eine starke Plattform für Fortbildung, Austausch und rechtspolitisches Engagement. Gleichzeitig setzt das neue Team eigene Schwerpunkte. Die digitale Vernetzung wird ausgebaut, die Nachwuchsförderung intensiviert, die Sichtbarkeit erhöht.

Der Wechsel markiert keinen Bruch, sondern eine Weiterentwicklung. Die ARGE Baurecht geht mit frischer Energie in die Zukunft, ohne ihre Wurzeln zu vergessen.