Doktortitel im Baurecht: Turbo für die Karriere

Promovierte Baurechtler:innen sind rar – und genau daraus ergibt sich eine interessante Chance. Während andere Rechtsgebiete von Doktortiteln überschwemmt werden, können Sie sich im Baurecht noch immer deutlich von der Konkurrenz abheben.

Dr. Benedikt Deeg hat diesen Weg erfolgreich gemeistert und verrät in diesem Beitrag alles Wichtige: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie finden Sie den passenden Betreuer? Und wie entdecken Sie "Ihr" Dissertationsthema? Von der strategischen Planung bis zur Finanzierung der Veröffentlichung – und eine Antwort auf die Frage, warum sich eine Promotion im Baurecht lohnt.

Warum promovieren?

Es gibt viele gute Gründe zu promovieren: Die Doktorarbeit ermöglicht es, bereits früh in der juristischen Ausbildung eine fachliche Spezialisierung zu verfolgen. Hierdurch erhöhen sich nicht nur die Bewerbungschancen. Viele Kanzleien zahlen auch ein höheres Gehalt. Gerade im Baurecht ist eine Promotion eher selten, sodass man sich von anderen Bewerbern abheben kann.

Gleichwohl sollte eine Promotion gut überlegt sein: Eine Doktorarbeit geht mit einem sehr hohen Aufwand einher und ist gerade in der Veröffentlichung sehr teuer. Die Abbrecherquote ist hoch. Aufwand und Ertrag sind im Einzelfall miteinander abzuwägen. Meiner Erfahrung nach bedarf es einer intrinsischen Motivation – welche es auch immer sein mag –, die durch die mühsame Promotion mit ihren vielen Hochs und Tiefs trägt. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt an dieser Stelle die Wahl des richtigen Dissertationsthemas.

Zeitpunkt

Hat man sich für eine Promotion entschieden, stellt sich die Gretchenfrage: nach dem Ersten oder Zweiten Staatsexamen? Für beides gibt es gute Argumente: Bietet sich mit der Promotion nach dem „Ersten“ die perfekte Lernpause, hängt das Referendariat nach dem „Zweiten“ nicht mehr wie ein Damoklesschwert über dem Kopf.

Hier gibt es kein richtig oder falsch. Jeder muss diese Entscheidung für sich selbst treffen. Ich persönlich habe nach dem Ersten Staatsexamen promoviert und hatte nicht das Gefühl, dass sich dies nachteilig auf mein Referendariat auswirkt. Ganz im Gegenteil: Dank der Promotion tue ich mir bspw. bei der Arbeit mit dem Kommentar leicht.

Betreuersuche

Am Anfang ist es ratsam, sich mit der Promotionsordnung der jeweiligen Fakultät des potenziellen Betreuers auseinanderzusetzen: Erfüllt man deren Promotionsvoraussetzungen nicht, erübrigt sich eine Bewerbung. In einem zweiten Schritt lohnt sich ein Besuch der Website des potenziellen Betreuers: Bei Universitätsprofessoren gibt es oft einen eigenen Reiter „Promotion“ mit hilfreichen (Bewerbungs-)Informationen. Nicht selten wird bspw. ein mehrseitiges Exposé, das eine grobe Zusammenfassung des geplanten Promotionsvorhabens enthält, gefordert.

In Deutschland hat sich nur eine Handvoll Universitätsprofessoren auf das Baurecht spezialisiert. Existiert – wie in meinem Fall – ein solcher nicht an der gewünschten Fakultät, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich bei Betreuern zu bewerben, die auf diesem Gebiet nicht forschen. Aber auch hier kann ich Entwarnung geben: Mein Doktorvater war sofort von meinem Thema begeistert, obwohl er kein Baurechtler ist. 

Außerdem kann es von Vorteil sein: Wenn der Betreuer Experte auf dem fraglichen Gebiet ist, hat er in der Regel eine klare Meinung. Als Doktorand ist man gewissermaßen „gezwungen“, diese Meinung zu vertreten. In meinem Fall ist mein Doktorvater hingegen unvoreingenommen an die Arbeit herangegangen. Was viele nicht wissen: Auch Honorarprofessoren sind berechtigt, Promotionen zu betreuen. Es ist also auch möglich, sich bei Rechtsanwälten mit einem Honorarprofessor zu bewerben. Solche gibt es im Baurecht zur Genüge.
 

Themensuche

Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten: Der Betreuer vergibt das Thema oder der Doktorand sucht es sich selbst. Ich rate dringend zu zweiterem – der Mehraufwand lohnt sich! Hat man „sein Thema“ gefunden, schreibt es sich ganz anders. Tiefs, die bei einer Dissertation zwangsläufig kommen werden, lassen sich leichter überwinden.

Wie findet man also „sein“ Thema? Ich habe die letzten Jahre der gängigen Baurechtszeitschriften (NZBau, BauR, etc.) und einige Festschriften durchforstet. Vor allem aber habe ich mit Praktikern gesprochen. Hierfür empfiehlt sich eine Teilnahme am Mentoring-Programm der ARGE Baurecht: In einem ungezwungenen Kontext besteht die Möglichkeit, Baurechtler nach passenden Dissertationsthemen zu fragen. Wer weiß, vielleicht findet sich in diesem Zusammenhang sogar der Betreuer!

Veröffentlichung

Nach erfolgreicher Verteidigung der Dissertation steht die Veröffentlichung der Arbeit an. Hiermit endet das Promotionsvorhaben. Zwar bestehen mehrere Veröffentlichungsformen, jedoch beschränke ich mich auf die Publikation in einem Verlag, da es sich hierbei um die gängigste – und auch von mir gewählte – handelt.

Bei den renommierten Verlagen – insbesondere Mohr Siebeck, Duncker & Humblot und Nomos – hängt eine Zu- oder Absage maßgeblich von der Note in den beiden Gutachten ab. Die Kosten differenzieren je nach Verlag, belaufen sich bei den vorgenannten indes auf einen mittleren vierstelligen Bereich. Ich empfehle, sich zur Finanzierung auf einen Druckkostenzuschuss zu bewerben. Zudem gibt es zahlreiche dotierte Dissertationspreise.

Ich habe mich für den Nomos Verlag entschieden, da dieser eine Schriftenreihe zum Baurecht anbietet. Zur Finanzierung habe ich einen Druckkostenzuschuss von der Leinemann Stiftung für Bildung und Kunst erhalten. Als Dissertationspreise gibt es im Baurecht bspw. den Baugerichtlichen Forschungspreis des Deutschen Baugerichtstags und den Immobilien-Forschungspreis der gif.

Fazit

All diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, im Baurecht zu promovieren, kann ich nur ermutigen: Es lohnt sich!

Für weitere Fragen stehe ich über mein LinkedIn-Profil gerne zur Verfügung.
 

Dr. Benedikt Deeg

  • Rechtsreferendar im Bezirk des Oberlandesgerichts München
  • Mentee im Mentoring-Programm der ARGE Baurecht
zum LinkedIn-Profil